Aufsuchende systemische Familienbegleitung und -therapie

Die im vergangenen Jahrzehnt gewonnenen Erfahrungen in der Jugend- und Familienhilfe und Ergebnisse von Modellprojekten zeigen, dass aufsuchende systemische Familienbegleitung und -therapie Entwicklungsprozesse von Familien initiieren und beschleunigen und nachhaltig die Selbstorganisation von Familien sowie die Unabhängigkeit von Jugendhilfe ermöglichen.

Besonders interessant werden systemische aufsuchende Maßnahmen durch die Vermeidung von außerfamiliären Unterbringungen von Kindern und Jugendlichen. Familien werden durch aufsuchende Familienbegleitung und -therapie dazu befähigt, Ziele und Lösungsstrategien zu entwickeln, die sich in konkreten Ergebnissen zeigen:

• Familiäre Rollen werden geklärt, Verantwortungen werden definiert,
• inner- und außerfamiliäre Grenzen werden erarbeitet,
• Ausstoßungstendenzen werden zugunsten von Integration reduziert,
• Symptome werden aufgegeben,
• Kommunikation wird verbessert,
• Individuation und Ablösung werden möglich,
• neue Sichtweisen entstehen,
• Integration in den Sozialraum findet statt,
• Autonomie entsteht und Selbsthilfekräfte der Familie wachsen.


MODELL EINES HILFEVERLAUFS

1. Anfrage mit erster Situationsbeschreibung
2. Fachgespräch mit der Fallführung: Darstellung der familiären Situation,
Hypothesenbildung, erste Planung der Arbeit mit der Familie, des Settings, des
Umfangs der Hilfe und anderer Rahmenbedingungen
3. Erstkontakt und Hilfeplanung mit der Familie: gemeinsames Gespräch mit
Fallführung, Familie und unseren Mitarbeitern in unserer Praxis, im Jugendamt oder im Haushalt der Familie, Eruierung der Situation aus Sicht aller Anwesenden, Vorstellung unserer Arbeitsweise, Auftragsklärung, Kontrakt mit der Familie, Erstellung des Hilfeplans
4. Auftragsklärung unter Einsatz systemischer Methoden, Definition von Themen, Zielen und Inhalten der Arbeit, Beginn des Aufbaus einer Arbeitsbeziehung mit der Familie
5. Aufsuchende Familienbegleitung mit familientherapeutischen und alltagspraktischen Inhalten
6. Hilfeplangespräch(e) in Abständen von 3 bis 6 Monaten: Vereinbarung von Zielen, Hilfesetting und Zeitrahmen
7. Beendigung der Maßnahme


INHALTE DER AUFSUCHENDEN SYSTEMISCHEN FAMILIENBEGLEITUNG UND -THERAPIE

Unterstützung des gesamten Familiensystems

o Schaffung einer vertrauensvollen, wertschätzenden Atmosphäre
o Reflexion der Familienstruktur
o Diskussion des Ist- und Sollzustands in Bezug auf die Rollen und Generationengrenzen o Reflexion von Erziehungsmodellen und psychologischen Alltagstheorien
o Abschätzung des Förderbedarfes der Kinder
o Betrachtung der Familiengeschichte
o Würdigung individueller Bedürfnisse im Kontext des Gesamtsystems
o Erarbeiten geeigneter Konfliktlösungsstrategien und Kommunikationsstrukturen
o Familienkonferenzen
o Arbeit mit Subsystemen (z.B. Beziehungspartner, Eltern, Freunde, Verwandte, Geschwister)
o regelmäßige Besuche im Lebensraum der Familie
o Aufbau von Autonomie und Selbstwirksamkeit
o Begleitung bei der Bewältigung akuter Problemsituationen
o telefonische Kontakte und Informationsaustausch
o Gewährleistung eines Ansprechpartners im Vertretungsfall
o Einleitung und Vermittlung ergänzender Hilfemaßnahmen (bei Bedarf)
o Einschätzung von Selbst- oder Fremdgefährdung, ggf. Einleitung von Schutzmaßnahmen o Laufende Einschätzung des Kindeswohls

Erweiterung der elterlichen Erziehungskompetenz

o Reflexion der Bilder und Traditionen von Erziehung
o Entwicklung und Förderung familiärer Strukturen
o Erarbeitung von Abgrenzungs- und Handlungsstrategien
o Förderung des Verantwortungsbewusstseins
o Erlernen konsequenten elterlichen Verhaltens
o Einüben von Authentizität und Transparenz des eigenen Verhaltens o Förderung der Bindungsfähigkeit
o Erhöhung der Reflexionsbereitschaft
o Vermittlung von Wissen über die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen
o Sensibilisierung der Wahrnehmungsfähigkeit in Bezug auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen
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o Aufbau und Förderung innerfamiliären Respekts und Wertschätzung
o Profilierung der elterlichen Rollen und der Generationengrenzen
o Anleitung zu einem alters- und entwicklungsadäquaten Umgang mit Kindern und Jugendlichen
o Aufklärung zu den Themen Gesundheit und Ernährung
o Stärkung der sozialen Kompetenz
o Förderung des Austausches mit anderen Eltern
o Motivation zur Kontaktaufnahme zu anderen Helfersystemen
o Erkennen und Erweitern der eigenen Ressourcen
o Unterstützung bei der Entwicklung persönlicher Lebensinhalte und -perspektiven Stärkung des Selbstvertrauens der Kinder und Jugendlichen
o Förderung der individuellen Talente und Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen o Stabilisierung und Förderung des Selbstwertes
o Reflexion der eigenen Selbsteinschätzung
o Reflexion geschlechtsspezifischen Rollenverhaltens
o Hilfen bei der Bewältigung von Ängsten und Konflikten
o Förderung von Kontakten zu Gleichaltrigen
o Stärkung der Konfliktbereitschaft in der Auseinandersetzung mit Erwachsenen o Erarbeiten gewaltfreier Lösungsstrategien
o Einbindung in Angebote im Sozialraum

Unterstützung von Bildungs- und Werktätigkeitsprozessen

o Motivation zu Berufstätigkeit und Weiterbildung
o Motivation zu Schul- oder Ausbildungsbesuch
o Förderung der Arbeits- und Leistungsbereitschaft
o Unterstützung der Eltern die der Einhaltung des regelmäßigen Besuchs von Ausbildung, Schule und von Tageseinrichtungen ihrer Kinder
o begleitende Kontakte zu Erziehern, Lehrern und Ausbildern
o ggf. Teilnahme an Elternabenden und Elternsprechtagen
o Vermittlung von Nachhilfe
o Unterstützung der Eltern im Umgang mit den schulischen Anforderungen

Gestaltung der Wohnsituation

o Unterstützung bei Planung und Umsetzung der Wohnungssuche, Anmietung, Renovierung, Einrichtung, Umzug
o Unterstützung bei der Planung und Umsetzung der Haushaltsführung
o Unterstützung bei der Gestaltung der Wohnung (Raumaufteilung, Möbelbeschaffung, Wohnraumpflege)
o Klärung von Konflikten mit dem Vermieter oder der Nachbarschaft
o Motivation zur Integration in das Wohnumfeld und den Sozialraum

Finanzielle Sicherstellung existentieller Lebensbedürfnisse

o Klärung der Einkommensverhältnisse
o Beratung im Umgang mit eigenen Geldmitteln
o Unterstützung bei der Beantragung von Sozialleistungen o Erarbeitung eines Finanzplanes
o Vermittlung zu Fachstellen (Schuldnerberatung)
o Unterstützung bei Einkäufen und Anschaffungen

Umgang mit Ämtern und Behörden

o Unterstützung bei der Bearbeitung von Anträgen und Formularen
o Vermittlung zwischen Klienten und Sachbearbeitern
o Abbau von Blockaden im Umgang mit Amtspersonen
o Erklärung von Verwaltungsabläufen

Umgang mit Ärzten, Krankenkassen, Förderstellen

o Unterstützung bei der Herstellung und Aufrechterhaltung der Gesundheit aller Familienmitglieder
o Planung von Arztbesuchen, ggf. Begleitung
o Vermittlung zwischen Ärzten und Familie
o Unterstützung bei Anträgen und Durchsetzung von Kuren, Therapien und Förder-maßnahmen

Aktive Freizeitgestaltung

o Motivation zur Planung und Durchführung von Freizeitaktivitäten
o Motivation zur Teilnahme an Aktivitäten in Vereinen oder sonstigen Institutionen o Planung und Reflexion von Ferienmaßnahmen
o ggf. Begleitung von Aktivitäten durch die Fachkräfte

Ergänzende Hilfen für ausländische Familien

• Unterstützung bei der Auseinandersetzung mit der eigenen und der deutschen Kultur
• Aufarbeitung von Themen der Migration, Herkunft, Religion, Verfolgung
• ggf. Vermittlung an Fachstellen wie z. B. Traumatherapeuten, o. a.
• Thematisierung sozialer und kultureller Unterschiede
• Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Werten und Normen
• Förderung des Hinterfragens von politischen und gesellschaftlichen Anschauungen
• Hilfen bzgl. Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung
• Begleitung, Beratung und Organisationshilfen in Asyl- oder Einbürgerungsverfahren

Hilfen für suchtkranke Eltern und deren Kinder

Familien, Teilfamilien oder Erziehungsberechtigte, bei denen Suchtmittelmissbrauch bekannt ist, erhalten systemische Familienbegleitung mit dem Ziel, den Verbleib der Kinder in der Familie zu ermöglichen.
Bedingung der Hilfe ist die Aufnahme einer suchttherapeutischen Behandlung innerhalb eines begrenzten Zeitraumes, in dem wir die Abhängigen bei ihrer Suche nach geeigneten Therapieformen und -einrichtungen unterstützen.
Die Arbeit mit suchtkranken Eltern und deren Kindern ist eine Hilfe für Eltern, die den Wunsch haben, ein suchtmittelfreies Leben zu führen und einen Weg dorthin beschreiten. Wir unterstützen bei der Kontaktanbahnung zu weiterführenden Hilfen und stehen in kooperativem Fachaustausch mit den begleitenden Hilfeanbietern.

BEENDIGUNG DER HILFE

o Vorbereitung der Familie auf die Beendigung der Hilfe im Sinne der Hilfeplanung
o Reflexion des zurückliegenden Betreuungsverlaufs
o Fachaustausch mit der fallführenden Stelle hinsichtlich der geplanten Einstellung der
Hilfe
o Erarbeitung des Themas „Abschied“ und seiner Bedeutung für die Familie
o Informationsaustausch mit anderen beteiligten Institutionen, Einrichtungen und
Kooperationspartnern
o Abschlussgespräch / Abschlussaktivität mit der Familie, Verabschiedung
Für einen Zeitraum von etwa drei Monaten bis zu einem Jahr bieten wir nach Vereinbarung die Möglichkeit zur Reflexion der Veränderungen im Familiensystem.
  • Wir haben das Ziel und die Überzeugung, das Menschen, Eltern, Kinder, familiäre Systeme,
    Teams und Organisationen dauerhaft und ohne fremde Hilfe
    zukünftige Herausforderungen meistern können.

  • „Wir können jederzeit etwas Neues lernen,
    vorausgesetzt wir glauben, dass wir es können“
    (Virginia Satir)

  • „In meiner Praxis und in meinem Leben stelle ich fest, dass Menschen, die sich selbst als Ganzheit erleben und das Gefühl besitzen, selbst etwas wert zu sein, fähig sind, mit allen Herausforderungen des Lebens in schöpferischer und angemessener Weise fertig werden...Wachstum bedeutet, dass das Leben in beständiger Veränderung besteht, und es gibt keine Möglichkeit dies zu unterbinden...“
    (Virginia Satir)

  • „Ich bin frei, denn ich bin einer Wirklichkeit nicht ausgeliefert, sondern kann sie gestalten.“
    (Paul Watzlawick)

  • „Wenn Sie immer das tun, was Sie bisher getan haben, werden Sie auch immer das bekommen, was Sie bisher bekommen haben.“
    (A. Robbins)

  • „Verstehen kann man das Leben oft nur rückwärts, doch leben muss man es vorwärts.“
    (Sören Kierkegaard)

  • „Soll oder kann ich einen Menschen "ändern"? Ich glaube es nicht. Wenn ich ihm helfen kann, sich selbst ein wenig deutlicher zu werden, ist es viel. Dass Verborgenes hervortritt oder Störendes zurücktritt, ist viel - aber von der Änderung eines Menschen zu reden -; Welche Kühnheit!“ (unbekannt)

  • „Probleme sind verkleidete Möglichkeiten.“
    (Henry Ford)

  • „Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen; es ist die Vorstellung von den Dingen.“
    (Epiktet)

  • „Wichtig ist, nicht mit dem Fragen aufzuhören.“
    (Albert Einstein)

  • "...nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist."
    (Victor Hugo)

  • "Die Währung für systemischen Wandel ist Vertrauen und Vertrauen entsteht durch Beziehung"
    (Bruce Perry)

  • "Es gibt keine Lösungen im Leben. Es gibt Kräfte in Bewegung, die muss man schaffen, die Lösungen folgen nach."
    (Antoine de Saint Exupéry)