SYSTEMISCHE DIAGNOSTIK

Mit Hilfe systemischer Diagnostik betrachten wir das Verhalten und Erleben von Menschen im Wechselspiel mit den Systemen, in denen sie leben.

Wir verstehen systemische Diagnostik als einen Dialog zwischen Klient und SystemikerIn und entwickeln Beschreibungen, die Wahrnehmung,
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Denken und Handeln aller Beteiligten deutlich machen. Das Ziel einer Diagnostik liegt darin, die Entstehung von Symptomverhalten zu erklären und
dessen Sinn und Dynamik besser zu verstehen.

Die vorhandenen Fähigkeiten, Kompetenzen und Talente und die Möglichkeiten der Familie zur Selbstentfaltung und -verwirklichung, zur Entlastung des Symptomträgers und zur Problemlösung werden von uns einer besonders berücksichtigt. Wir betrachten die Gegebenheiten des Gesamtsystems, die eine solche Ressourcennutzung ermöglichen, fördern oder behindern und beschreiben diese.

Wir interviewen bei Bedarf die mit der Familie aktuell oder in der Vergangenheit befassten anderen Hilfesysteme, wie Anbieter der Jugend- und Familienhilfe, Beratungsstellen, medizinische Einrichtungen, Schulen, Kindergärten und kommunale Stellen, um mehr über deren Sichtweisen und Einschätzungen zu erfahren.

Auf der Grundlage aller dieser Daten entwickeln wir eine Empfehlung. Diese beinhaltet unsere Einschätzung der Wirksamkeit etwaiger anschließender unterstützender Maßnahmen für die Familie. Damit ersparen wir der Familie energie- und zeitraubende Umwege und dem Jugendamt Kosten, wie sie durch unangemessene Hilfen entstehen können.

Obwohl die systemische Diagnostik ausdrücklich keine systemverändernde Zielsetzung hat, ist es uns durchaus bewusst, dass wir durch sie auf das Familiensystem einwirken und Effekte bewirken.
Die mit der Familie vorgenommene Beschreibung ihrer Lebens- und Erlebenswelten, ihrer Beziehungen, Geschichte(n), Kommunikationsformen, Ressourcen und Defizite, sowie der daraus resultierende Bericht beeinflussen das Familiensystem nachhaltig.

Eine durch die systemische Diagnostik aktivierte, manchmal von der Familie als krisenhaft erlebte Veränderung innerhalb des Familiensystems ist prinzipiell möglich, wird aber von vielen Familien unserer Erfahrung nach auch als erhellend und entwicklungsfördernd erlebt. Im Falle einer krisenhaften Phase nehmen wir eine enge Abstimmung mit der Fallführung vor, und die Familie wird selbstverständlich von den FamilientherapeutInnen bei der Bewältigung der Situation unterstützt.

Die systemische Diagnostik besteht aus drei Schritten, die insgesamt einen Zeitraum von ca. 16 Wochen umfassen:
Schritt 1
(12 – 14 Wochen)
• Erfassung und Beschreibung des Familiensystems, der Symptome, Probleme und Ressourcen in ihrer Bedeutung für das Individuum und das Gesamtsystem
Analyse der Problem-, Ressourcen- und Kommunikationsstruktur
Schritt 2
(12 – 14 Wochen)
• Berichterstellung:
• Auswertung der Informationen
Hypothesenbildung über mögliche und wahrscheinliche Entwicklungen
Empfehlung adäquater Formen und Inhalte der anschließenden Hilfe
Schritt 3
Diskussion des Berichts mit der Familie, i.d.R. mit den Eltern
Fachaustausch mit der Fallführung über den Bericht und die Empfehlung
Auswertendes abschließendes Gespräch mit Familie und Fallführung
Die Ergebnisse der Diagnostik werden in einem Bericht differenziert dargestellt. Sowohl der Bericht als auch das Erhebungsmaterial (z. B. Genogramm, Fragebogen, Zeitstrahl, Interviews und andere Mittel) werden wie der Bericht der Familie zur Verfügung gestellt.

Grundsätzlich bleibt im Sinne von Vertraulichkeit und Datenschutz das Maß der dokumentierten Informationen und Daten auf die für die Empfehlung relevanten Fakten und Aussagen beschränkt.

Die systemische Diagnostik wird von uns prinzipiell – wie die Familienbegleitung/ -therapie im Co-Therapeuten-System (weiblich/männlich) durchgeführt. Die Fachkräfte haben eine Zusatzqualifikation als systemische FamilientherapeutIn oder -beraterIn, bzw. befinden sich in entsprechender Ausbildung.

Die systemische Diagnostik ist ein in sich abgeschlossenes Angebot.
Eine anschließende Jugendhilfemaßnahme durch unseren Träger wird durch uns nur dann übernommen, wenn sich die fallführende Stelle und die Familie unter Berücksichtigung der Angebote anderer Träger ausdrücklich dafür aussprechen.

Frageninventar der systemischen marktvierzwei - Diagnostik

Überblick über die Problemlage

o Wer empfindet was als Problem?
o Welche Bedeutung haben die Schwierigkeiten für das Gesamtsystem Familie und für die
Einzelnen?
o Worin sehen die Klienten die Ursachen ihrer Probleme?
o Welche Probleme erscheinen prinzipiell änderbar, welche sind unabänderliche
Tatbestände (unheilbare Krankheit, Tod eines Familienmitglieds, Adoption)?

Sichtung der Eingangserwartungen der Klienten

o Welche Veränderungen erhofft sich die Familie?
o Welche Hilfen wünschen sich die Einzelnen (zunächst)?
o Was funktioniert gut und soll so bleiben?
o Welche systemimmanenten Bewältigungskompetenzen sind vorhanden?

Klärung der Motivation der Klienten zur Veränderung

o Besteht grundsätzliche Bereitschaft, Schritte zur Veränderung von Verhalten zu unternehmen?
o In wie weit sind sich die einzelnen Familienmitglieder über den möglichen Verlust gewohnter (aber z. B. für die Kinder schädlicher) Verhaltensmuster im Klaren und bereit, ihn zu tragen?
o „Lohnt“ sich für sie der zu erwartende Aufwand für eine Veränderung? o Wer kann und will was für eine gute Entwicklung beitragen?

Problemanalyse

o Welche Bedingungen haben zu den Problemen geführt, auf die sich die sich anschließende Hilfe beziehen soll?
o Wie wirkt sich die Problematik auf die Empfindungen der Einzelnen aus?
o Welche Auswirkung hat sie auf das sichtbare Verhalten Einzelner? (Intensität und
Häufigkeit)
o Gibt es Hinweise auf psychosomatische Auswirkungen?
o Wie geht das Gesamtsystem Familie mit dem Problem um (Tabus, Schuldzuweisungen,
Rituale,...)?
o Wozu „dient“ das Problem? Was wird damit „erreicht“?

Ressourcenanalyse

o Welche Ressourcen existieren in der Familie und im umgebenden Sozialraum?
o Welche Ressourcen können (re-)aktiviert werden?
o Welche Ressourcen, Fähigkeiten und Umstände können für ein Hilfsangebot genutzt
werden?
o Wann bzw. in welchen Situationen tritt das Problem nicht auf?

Bedingungsanalyse

o Welche Bedingungen und Faktoren halten das Problem aufrecht, verschärfen es oder schwächen es ab?
o Welche Merkmale kennzeichnen das Eltern-Kind-Subsystem? o Welche das Ehe- bzw. Partner-Subsystem?
o ~ das Gesamtsystem Familie?
o ~ das System Kindergarten, Schule, Arbeitsplatz?
o ~ das soziale Umfeld der Familie?


Entwicklungsanalyse

o Wie war der Verlauf der körperlichen, kognitiven und emotionalen Entwicklung des Kindes / der Familienmitglieder?
o Welche Bedingungen gingen dem ersten Auftreten der Probleme voraus? o Welche Bewältigungsversuche wurden unternommen?
o Wo gab es Erfolge? Wo nicht?
o Gab es Beziehungsabbrüche, und/oder zeitweilige Trennungen?
o Gab es besonders belastende Erlebnisse?
o Welche Persönlichkeitsmerkmale kennzeichnen die Einzelnen?
o Wie ist der individuelle Entwicklungsstand?
o Wo zeigen sich Stärken und Schwächen?
o Wo liegen die individuellen Interessen?
o Welche Rolle spielen Selbstbild, Ängste, Bedürfnisse, belastende Konflikte? o In welchen Situationen trat das Problem nicht auf?

Kindeswohl

o Welche das Kindeswohl garantierenden Faktoren existieren in der Familie?
o Welche Faktoren gefährden die geistig-seelische und körperliche Entwicklung der
Kinder?
o In welchem Ausmaß sind diese Faktoren vorhanden?
o Liegt bei einem oder mehrerer Familienmitglieder selbst- oder fremdgefährdendes
Potential vor?

Einschätzung, Prognose und Empfehlung

o Welche Verhaltensweisen und Beziehungsmuster deuten auf einen günstig oder ungünstig verlaufenden Entwicklungsprozess hin?
o Wie groß ist die dadurch entstehende Ent- bzw. Belastung für die Einzelnen und das Familiengesamtsystem?
o Welche Faktoren und Verhaltensweisen lassen befürchten, dass die Familie die ungünstigen Sozialisationsbedingungen nicht aus eigener Kraft wird verändern können?
o Welche Bewältigungskompetenzen des Familiensystems können aktiviert und genutzt werden?
o Welche Hilfen entsprechen den Ressourcen, Kompetenzen und Bedürfnissen aller Familienmitglieder?
o Welche Kombination von Hilfen ist sinnvoll?
o Welche Hilfen empfehlen wir ausdrücklich nicht?
o Welche anschließenden Diagnostiken durch Fachstellen haben sich als notwendig
herausgestellt?
o In welchem Maße kann sich die Familie der Empfehlung der FamilientherapeutInnen
anschließen?
o Was steht dem im Wege?

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Systemisches Clearing

Während wir die Diagnostik als eine „beschreibende Momentaufnahme“ des Familiens- ystems verstehen, die bewusst eine interventionsabstinente Haltung der SystemikerInnen während des diagnostischen Prozesses verlangt, bieten wir mit dem Clearing die Möglichkeit einer Kombination aus systemischer Erhebung und ersten ziel- und lösungsorientierten systemverändernden Maßnahmen an.

Das Clearing eignet sich einerseits als Einleitung einer ambulanten systemischen Unterstützung für eine Familie, um mehr darüber zu erfahren, ob und in welchem Umfang Veränderungsbereitschaft und Motivation vorhanden sind, und wie die Familie auf systemische Interventionen reagiert.
Andererseits hat es einen kurzzeittherapeutischen und aktivierenden Charakter, so dass in einigen Fällen ein Clearing der Familie einen so hohen Gewinn an Einsicht und Veränderung einbringt, dass anschließende Hilfen aus der Sicht aller nicht mehr notwendig sind.

Anders als bei der Diagnostik kommt nicht unser gesamtes Diagnostikinventar zum Einsatz. Aufgrund der zwei Schwerpunkte des Clearings (Erhebung und Intervention) grenzen wir die abzuklärenden Fragen mit der fallführenden MitarbeiterIn ein und stellen gemeinsam einen zu beantwortenden Fragenkatalog auf.

Im Hilfeplangespräch werden die Fragen, denen sich die Familie im Clearing nähern will, ebenfalls aufgenommen und zum gleichwertigen Bestand-teil des Auftrages.

Unser Ziel ist es, dass sich die Familie im Anschluss an das Clearing „sich selbst“ eine Empfehlung aussprechen kann. Sie hat in den zurückliegenden Wochen mehr über sich, die den familiären Konflikten und Problemen zugrunde liegenden Faktoren und über ihre Motivation, Veränderungsbereitschaft und -fähigkeit, Flexibilität sowie über systemisches Arbeiten erfahren und bereits Veränderungen initiiert.
Schritt 1
Zusammenstellung eines Fragenkatalogs hinsichtlich der zu erhebenden Inhalte mit Fallführung und Familie
Schritt 2
(12 – 14 Wochen)
• Erfassung und Beschreibung des Familiensystems, der Symptome, Probleme und Ressourcen auf der Grundlage der Fragensammlung
Analyse der Problem-, Ressourcen- und Kommunikationsstruktur, der Motivation und Veränderungsbereitschaft der Familie
Interventionen zur Initiierung erster Veränderungsschritte des Familien- systems
Schritt 3
(2 Wochen)
Berichterstellung:
Auswertung der Informationen
Hypothesenbildung über mögliche und wahrscheinliche Entwicklungen
Empfehlung adäquater Formen und Inhalte der anschließenden Hilfe
Schritt 4
Diskussion des Berichts mit der Familie, i. d. R. mit den Eltern
• Fachaustausch mit der Fallführung über den Bericht und die Empfehlung
• Auswertendes abschließendes Gespräch mit Familie und Fallführung
Hinsichtlich der Ergebnisdokumentation und Berichtserstellung gelten dieselben Prinzipien wie bei der systemischen Diagnostik. Das Clearing umfasst ebenfalls einen Zeitraum von ca. vier Monaten.

Das systemische Clearing wird von uns, wie die Diagnostik, im Co-Therapeuten-System (weiblich/männlich) durchgeführt. Die Fachkräfte sind ebenfalls ausgebildete systemische FamilientherapeutInnen oder -beraterInnen, (bzw. in der Ausbildung).

Ein systemisches Clearing beinhaltet prinzipiell das Angebot von uns an die Familie und das Jugendamt, den begonnenen Veränderungsprozess gemeinsam mit der Familie fortzusetzen, falls dies von allen Beteiligten als notwendig erachtet und erwünscht wird.
  • Wir haben das Ziel und die Überzeugung, das Menschen, Eltern, Kinder, familiäre Systeme,
    Teams und Organisationen dauerhaft und ohne fremde Hilfe
    zukünftige Herausforderungen meistern können.

  • „Wir können jederzeit etwas Neues lernen,
    vorausgesetzt wir glauben, dass wir es können“
    (Virginia Satir)

  • „In meiner Praxis und in meinem Leben stelle ich fest, dass Menschen, die sich selbst als Ganzheit erleben und das Gefühl besitzen, selbst etwas wert zu sein, fähig sind, mit allen Herausforderungen des Lebens in schöpferischer und angemessener Weise fertig werden...Wachstum bedeutet, dass das Leben in beständiger Veränderung besteht, und es gibt keine Möglichkeit dies zu unterbinden...“
    (Virginia Satir)

  • „Ich bin frei, denn ich bin einer Wirklichkeit nicht ausgeliefert, sondern kann sie gestalten.“
    (Paul Watzlawick)

  • „Wenn Sie immer das tun, was Sie bisher getan haben, werden Sie auch immer das bekommen, was Sie bisher bekommen haben.“
    (A. Robbins)

  • „Verstehen kann man das Leben oft nur rückwärts, doch leben muss man es vorwärts.“
    (Sören Kierkegaard)

  • „Soll oder kann ich einen Menschen "ändern"? Ich glaube es nicht. Wenn ich ihm helfen kann, sich selbst ein wenig deutlicher zu werden, ist es viel. Dass Verborgenes hervortritt oder Störendes zurücktritt, ist viel - aber von der Änderung eines Menschen zu reden -; Welche Kühnheit!“ (unbekannt)

  • „Probleme sind verkleidete Möglichkeiten.“
    (Henry Ford)

  • „Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen; es ist die Vorstellung von den Dingen.“
    (Epiktet)

  • „Wichtig ist, nicht mit dem Fragen aufzuhören.“
    (Albert Einstein)

  • "...nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist."
    (Victor Hugo)

  • "Die Währung für systemischen Wandel ist Vertrauen und Vertrauen entsteht durch Beziehung"
    (Bruce Perry)

  • "Es gibt keine Lösungen im Leben. Es gibt Kräfte in Bewegung, die muss man schaffen, die Lösungen folgen nach."
    (Antoine de Saint Exupéry)